Im Juni 1978 erblickte ich in Schmalkalden das Licht der Welt. Aufgewachsen bin ich in Kleinschmalkalden, das während der DDR-Zeiten nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten Politiker Ludwig Pappenheim umbenannt wurde und bitte nicht mit dem Städtchen in Bayern verwechselt werden sollte. Prinzipiell lässt sich sagen, dass ich eine sehr schöne Kindheit hatte und gut behütet aufwuchs. 1985 wurde ich eingeschult in die Polytechnische Oberschule „Otto Grothewohl“ Pappenheim, ich war sowohl ein stolzer Jungpionier, als auch ein Thälmannpionier. Die FDJ blieb mir verwehrt, da sich 1989 die zwei deutschen Länder wieder vereinigten. Vom Unrecht des DDR-Regimes war mir als Kind noch nichts bekannt, was mich in meiner Aussage, eine gute Kindheit gehabt zu haben, festigt. Meine Eltern, die beide bei der Deutschen Post beschäftigt waren, schenkten mir noch vor meinem 8. Geburtstag eine kleine Schwester, die – weil sie die einzige blieb – zu meiner Lieblingsschwester avancierte, aber natürlich nicht nur deswegen.




1996 ließ ich die Schulzeit hinter mir und erlernte in der Druckerei in Kleinschmalkalden den Beruf des Offsetdruckers. Der Aussage „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ kann ich nichts abgewinnen, weil ich glaube, dass mir nichts mehr die schöne Zeit während meiner Ausbildung ersetzen kann. Das mag zum einen daran liegen, dass ich noch einen Buchdruckermeister der „alten Garde“ zum Chef hatte, der mir neben dem fachlichen Wissen für die Ausübung des Berufes als Drucker auch noch Werte und Moral vermittelte, vielleicht lag es aber auch daran, dass wir mit nur 7 Beschäftigten ein Kleinbetrieb waren, der gegenüber den großen Betrieben und Konzernen ein ganz anderes Gefüge aufwies. In dem Kleinbetrieb musste ich alle Arbeitsschritte erlernen, die im Produktionsprozess notwendig waren. Davon profitiere ich noch heute. In meinem weiteren Berufsleben führten mich die Wege weiter in andere Druckereien, die teilweise auch größer waren und wesentlich mehr Personal beschäftigten. An das familiäre Arbeitsklima in meinem Ausbildungsbetrieb kam ich bisher nie wieder heran.
2002 wurde ich zur Ableistung meines Wehrdienstes einberufen. Prinzipiell betrachte ich diesen nicht als „Kriegsdienst“, sondern sehe darin weitere Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen durfte. Sammeln durfte ich diese bei der Marine in List auf Sylt, was ebenfalls nicht die schlechteste Option war. Nicht zuletzt auch deswegen, weil dort neben den sieben Marineversorgungsschulen der Seemannschor der Bundesmarine beheimatet ist. Das Singen ist seit 1995 mein Hobby, schon mein Großvater war Vorsitzender im MGV „Concordia“ 1867 Kleinschmalkalden e.V. und auch mein Vater, sowie mein Patenonkel sangen in dem Chor – und tun es heute noch. Somit war die Chance nicht gering, auch selbst dort aktiv zu werden. 2002 trat ich also dem Seemannschor der Bundesmarine teil und während der Ableistung meines Grundwehrdienstes tourten wir über die Insel und erfreuten die Touristen, als auch die einheimischen Bewohner der deutschen Vorzeigeinsel. Nach Beendigung des 3-monatigen Grundwehrdienstes verließ ich die Insel und wurde nach Berlin in das Zentrum für Nachwuchsgewinnung OST in Berlin-Grünau versetzt. In diesen nun folgenden 6 Monaten lernte ich also Berlin kennen und lieben. Es ist nicht schwer zu beschreiben, was mir an dieser Stadt alles so zusagte. Die beinahe uneingeschränkte Mobilität durch das breitgefächerte Repertoire an Verkehrsmitteln, die mir ermöglichten, auch ja nichts zu verpassen, was das Freizeitangebot so aufwies. Egal ob Konzerte, Discos, Kino, Bowling, Kneipen und – das wird noch wichtig – Eishockey! Ich konnte so vieles machen und mitnehmen und ich hatte keine Probleme mit der Mobilität. Ich war begeistert und ich bin es noch heute. Die 6 Monate in Berlin bewegten etwas in meinem Kopf und diese Vision ließ mich fortan nicht mehr los.



2004 zog ich zu Hause aus und verließ das heimische Nest. Selbstredend war das eigentliche Ziel Berlin, jedoch blieb mir dieser Weg vorerst verwehrt. Chemnitz wurde für die nächsten 10 Monate mein Zu Hause. Ich machte erste Erfahrungen mit einem eigenen Haushalt, den ich mit 2 tollen Mädels in einer WG teilen durfte. Im schönen Lutherviertel hatte ich mein Zimmer in einer großen und geräumigen Dachgeschoßwohnung. Die Wohnung war so toll und auch meine Zeit mit den 2 Mädels war nicht schlecht, wir waren ein Super Team. Das Leben hingegen stellte mich vor so einige Herausforderungen, die ich zu meistern hatte und an denen ich – soviel kann ich heute sagen – sehr gewachsen bin. Mit anderen Worten, diese 10 Monate in Chemnitz haben mich vorbereitet auf die „ganz“ große Stadt Berlin. Schon im Februar 2005 zog ich endlich nach Berlin, vorerst wieder in eine WG, wo ich nach nur wenigen Monaten feststellen durfte, dass nicht alles so romantisch ist, wie ich es in Chemnitz kennen lernte. Schon wesentlich reicher an Erfahrung wusste ich mittlerweile, wie der Hase läuft und nahm mir eine eigen Wohnung für mich ganz allein – in Friedrichshain – denn hipp muss sein!
Seit meinem Auszug zu Hause 2004 war nicht mehr allzu viel geschehen, was mein wichtigstes Hobby das Singen betraf. Ein neuer Chor musste her und so begab ich mich auf die Suche und wurde schließlich fündig. Es ist unglaublich, wie viele Möglichkeiten sich auch auf musikalischer Ebne auftaten. Die Qual der Wahl. Was ist richtig, was ist gut? Werde ich mich wohlfühlen? Der Sprung ins Becken war schon immer die meinerseits bevorzugte Methode, wenngleich sich viele Becken in meinem Leben auch schon als Fettnäpfe erwiesen. Ich bereue diese aber nicht, denn es sind bestenfalls Erfahrungen, die ich machen durfte und an denen ich auch wuchs. Die „Berliner Liedertafel 1884“ (BL) sollte nichts dergleichen sein. Der damalige Präsident lud mich zu einem Konzert in die Philharmonie ein, eine Freikarte sei für mich an der Abendkasse hinterlegt. Ich war noch nicht lange in Berlin, hatte aber schon eine eigene Wohnung mit Balkon, einen eigenen Haushalt, mit dem sich leben ließ und einen Chor der mich interessierte – nun also auch eine Einladung in die Philharmonie. Ich würde sagen: Läuft bei mir!!! Das Konzert in der Philharmonie war große Klasse, es sang die Berliner Liedertafel zusammen mit dem „Harvard Glee Club“. Das Gehörte schreckte mich aber eher ab, als dass es mich an sie band. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil ich fürchtete, diesem Niveau nicht standhalten zu können und mich vermutlich eher zu blamieren. Dank meiner guten Erziehung, für die ich meinen Eltern noch heute dankbar bin, kam es mir in den Sinn, mich wenigstens für die Eintrittskarte und den schönen Abend zu bedanken. Nach einer Fragerunde fand ich schließlich den Präsidenten, ins Gespräch vertieft mit dem Vorsitzenden der BL. Wie angestrebt, bedankte ich mich, das Ende des Gespräches verlief dann ein wenig anders. Der ganze Quatsch mit dem Niveau – klar, wie will ich denn auf diesem Niveau singen, wenn ich mich dem nicht stelle? Und natürlich leuchtete mir auch ein, dass es mich anfangs nichts kostet, außer etwas Zeit und Überwindung. Mit der Überwindung hatte ich in den letzten 12 Monaten schon soviel Erfahrung gemacht – was sollte mich da jetzt noch schrecken? Wir können das Ganze abkürzen und einen großen Sprung machen. Seit Dezember 2005 bin ich Mitglied in der Berliner Liedertafel 1884, seit 2012 bin ich deren Schriftführer und im Geschäftsführenden Vorstand tätig. Vieles habe ich gesehen und erreicht und erleben dürfen. Mit dem Chor habe ich im Olympiastadion gesungen, alljährlich geben wir unser Adventskonzert in der berühmten „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ , wir haben an der „Queen-Symphony“ in der Philharmonie mitgewirkt, die letztlich auf Grund ihres Erfolges im Konzerthaus noch einmal aufgeführt wurde. Wir haben viele tolle Reisen unternommen. Auf den Reisen ins Rheinland, ins Sauerland, nach Frankreich, ins Baltikum und jetzt in diesem Jahr nach Estland war ich dabei, bei der Organisation der zuletzt genannten Estlandreise war ich maßgeblich an der Organisation beteiligt. Nicht vergessen möchte ich die Reise 2007, als wir mit der BL in Thüringen waren und meinem Heimatchor den MGV „Concordia“ 1867 Kleinschmalkalden zu dessem 140-jährigem Jubiläum gratulierten. Eine besondere Ehre war es für mich, mit dem Banner meiner BL durch die Straßen meines Heimatdorfes Kleinschmalkalden zu laufen. Das sind wahre und unvergessene Momente, Meilensteine in meinem Leben.



Auch beruflich kam ich so langsam in die Spur. Über eine Zeitarbeitsfirma war ich in verschiedenen Firmen eingesetzt, u.a. auch Druckereien, vorrangig jedoch in einer Kaffeefabrik, wo ich auf Grund meiner bisher erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen recht schnell zum Vorarbeiter aufstieg. Das gab mir Selbstvertrauen und stärkte auch mein Selbstbewusstsein. Eine Festanstellung brachte es mir indes nicht ein. 2008 jedoch landete ich in einer Großdruckerei, über die ich 2009 zu einem Festvertrag kam, wenngleich auch in der Logistik. Dort eingesetzt erlernte ich neue Fähigkeiten und baute mein Wissen aus, indem ich viel hinzu lernte, an Schulungen teilnahm und Seminare besuchte. In der Logistik arbeitete ich schließlich 9 Jahre, bis der Standort Berlin zum Ende des Jahres 2018 aufgelöst wurde. Die Option, zum 2. Standort in 120 KM Entfernung zu wechseln, kam für mich nicht in Frage, auf Grund der Entfernung. Habe ich eines gelernt in meinem bisherigen Leben, dann das, dass es immer weiter geht. Der Horizont ist nicht das Ende und neue Perspektiven werden sich auftun. Eine habe ich ganz klar im Blick, jedoch ist der Zeitpunkt noch zu früh, um hier darüber zu berichten. Ich werde das sicherlich noch nachholen oder diesen Block hier aktualisieren. Wie versprochen, reiche ich hier die Aktualisierung nach, wie es gerade in meinem Leben weiter geht. Ich habe im Juli ein Stellenangebot der Charité Facilitymanagement (CFM) gefunden, die einen Logistiker suchten. Dort habe ich mich beworben und wurde auch prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Schon das Vorstellungsgespräch verlief sehr positiv und meine Gesprächspartner erschienen mir sehr sympathisch. Sowohl die Rahmenbedingungen, als auch die Arbeitsplatzbeschreibung sagten mir zu und auch über die vertraglichen Inhalte wurden wir uns recht schnell einig. Einige Tage später war ich nochmal da und wir machten einen Rundgang über den Campus des Charité Virchow Klinikums (CVK). Danach sagte ich zu. Mittlerweile bin ich schon mittendrin und habe meine ersten Eindrücke gesammelt. Ich empfinde es als erfüllend, in einem Krankenhaus zu arbeiten, den Menschen also zu dienen und meinen Anteil zu deren „gesundwerden“ beitragen zu können. Die Charité hat sich ja europaweit einen Namen gemacht und ist daher vielerorts bekannt, so freut es mich schon, bei der CFM zu arbeiten. Aktuell passt das also alles und ich fühle mich wohl. Ich bin erfreut, so schnell eine neue Beschäftigung gefunden zu haben und sogar noch eine, die mir, wie beschrieben, sinnig und den Menschen dienlich erscheint. So geht´s jetzt also weiter, den Blick frei nach vorn! Ich freue mich!
Jetzt gibt es nur noch Eines zu sagen, quasi das Wichtigste in meinem Leben! Seit September letzten Jahres bin ich verheiratet. Es war kein leichter Weg, aber wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, stellt fest, dass vieles nicht ganz einfach war und dennoch habe ich es gemeistert. Ich bin sehr froh, dass ich sie habe und ich bin stolz, ihr Mann sein zu dürfen. Ich freue mich auf noch so viele Jahre an ihrer Seite und auf alles was noch kommt. Ich liebe das Leben und sehe den Dingen gelassen entgegen. Was ich vorher alleine meistern durfte, darf ich jetzt teilen. Nicht gänzlich umsonst ist Glück das Einzige, dass sich verdoppelt, wenn man es teilt.


Ich freue mich, dass Ihr bis hierher gelesen habt. Noch vieles mehr habe ich zu berichten und nach und nach wird sich dieser Blog füllen und Geschichte lebendig halten, weil sie nicht vergessen wird. Über Anregungen und Bemerkungen freue ich mich sehr, also lasst mich wissen, was ihr denkt bzw. was ihr besser oder anders machen würdet.
Vielen Dank im Voraus,
Euer Fünkes…


