Wir sind die Eisbärliner 2005, Fanclub der Eisbären Berlin

Wenn ich in meinen vorigen Beiträgen vieles über mich und meine Hobbys geschrieben habe, so darf ich doch eines nicht vergessen, meine Freude am Eishockey, welche letztlich auch zu der Mitgliedschaft in einem Fanclub führte. Aber alles der Reihe nach. Wie Ihr bereits lesen konntet, habe ich 2002 ein halbes Jahr in Berlin verbracht. In diese Zeit fielen auch meine ersten Berührungspunkte mit dem Eishockey. War mir der Sport aus dem Fernsehen schon bekannt, hatte ich mich jedoch noch nie damit intensiver beschäftigt oder gar mal ein ganzes Spiel gesehen. Es war ein guter Freund, der mir davon berichtete, wie er mit Kumpels zum „Welli“ zog. Welli ist die umgangssprachliche Bezeichnung des altehrwürdigen Wellblechpalastes, der sich auf dem Gelände des Sportzentrums in Hohenschönhausen befindet. Ausgestattet mit Saftpäckchen ging es in die Ränge und auf dem Eis gegen unzählige Gegner aus dem In- und Ausland. Es würde den Rahmen sprengen, die Geschichte des SC Dynamo 1954 hier aufzubrezeln, die seit 1992 als Eisbären Berlin auflaufen. Aber es muss schon damals heiß her gegangen sein, Siege gab es nicht allzu oft zu feiern, trotzdem wurde gesungen. Man konnte meinen, je höher die Niederlage, desto lauter wurde gesungen. Was mir als „erfolgsorientierten“ Menschen noch nicht so ganz begreiflich war, aber ich würde das noch lernen. Unzählige Geschichten aus den früheren Tagen bestätigten mir das immer wieder und es gibt auch jede Menge Literatur darüber. Einen Buchtipp möchte ich an dieser Stelle geben: 111 Gründe, die Eisbären Berlin zu lieben,- Eine Liebeserklärung an den großartigsten Eishockeyclub der Welt (ISBN: 978-3-86265-693-6). Dieses Buch erklärt so vieles, was mich letztlich zu den Eisbären Berlin brachte.

Meine Geschichte begann also 2002, als ich dann auch einmal mitgenommen wurde in den Welli. Immer wieder höre ich das Argument, dass es schwierig sei, dem Puck zu folgen, oder dem Spielverlauf im Allgemeinen. Hierzu kann ich sagen, dass mir das schon nach ein paar Spielen nicht mehr schwer fiel. Das Besondere im Welli und dann später auch in der „o2-World“, die heute „Mercedes-Benz-Arena“ heißt, ist die Stimmung. Ich kam ja vom Dorf und auch bei uns am Bolzplatz wurde rum gebrüllt, die Mannschaft angespornt, aber all das war natürlich nicht vergleichbar mit dem Welli. Unzählige Trommeln, Fahnen, Banner und es sangen „ALLE“. Ich war stark beeindruckt, sowohl von dem schnellen und actionreichen Spiel auf dem Eis, als auch den Klängen in den Rängen. Wenn dann ein Tor fiel, war es für mich verwunderlich, dass die Wände stehen blieben. Auch das körperbetonte Spiel, wenn dann mal jemand in die Bande flog. Das hat mich anfangs doch ein wenig erschreckt, aber die Spieler standen immer wieder auf und spielten einfach weiter. Immer wieder wurden mir die Unterschiede zum „Damenschach“ erläutert, mittlerweile verstehe ich diese Assoziationen ganz gut und verwende sie selbst. Ende 2002 bis Anfang 2005 war ich wieder zu Hause in Thüringen, wo es kein Eishockey gab, okay das ist nicht ganz richtig – immerhin gab es in Erfurt die Black Dragons, aber diese spielten nicht in der DEL, der 1. Bundesliga und zu ihnen hatte ich auch kein Bezug. Ganz abgerissen ist mein Interesse dennoch nicht, ab und an war ich wieder in Berlin, auch weil ich dort eine Freundin hatte. Sie fragte mich immer öfters, ob ich wegen ihr oder den Eisbären komme. Mittlerweile sind wir kein Paar mehr, aber gottseidank immer noch befreundet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 2005, auch das war in den anderen Beiträgen schon zu lesen, war ich also wieder in Berlin. Ich kam in Februar hier an und hatte noch ausreichend Gelegenheiten, die Spiele der Eisbären zu besuchen. Zu meiner Freude gelang es dem Team, die Saison mit der Teilnahme an den PlayOffs zu verlängern. Dass sie diese bis zum Ende spielten und im Finale als Deutscher Meister 2005 vom Eis gingen, krönte die Saison in ganz besonderem Maße. Es war nach vielen Jahren des Leidens, der 1. Meistertitel einer ostdeutschen Mannschaft im wiedervereinten Deutschland. Welchen Wert diese Meisterschaft für alle und alles hatte, die Zusammenhänge und die Bezüge auf Traditionen – ich musste mir fortan noch viel mehr erklären lassen, als nur die Spielregeln auf dem Eis. Aber damit war ich angekommen, in Berlin, bei den Eisbären und einem Hobby, dass mir neben dem Singen zu einer weiteren Leidenschaft werden sollte. Diese Meisterschaft war für eine kleine Gruppe auch Anlass genug, einen Fanclub zu gründen – so entstanden die „Eisbärliner 2005“, es waren Leute, die im Welli vor mir standen und die lauthals Stimmung machten. Kannte ich die Lieder, sang ich aus voller Kehle mit. Kurzum, wir kannten uns und zur nächsten Saison 2005/2006 wollte ich Mitglied sein und wurde aufgenommen. Ich freute mich wie Bolle – damals, wie auch heute!

In die neue Saison 2005/2006 gingen wir also schon mit einem vergrößerten Fanclub, denn neben mir fanden auch andere meiner Freunde den Weg zu den Eisbärlinern. Wurde ich anfangs noch belächelt wegen meiner offenen Art, auf andere zu zugehen, oder mich mit „fremden“ einzulassen, bin ich mir aber mittlerweile sicher, dass es keiner von denen bereute, mir zu den Eisbärlinern nachgefolgt zu sein. Die letzten Zweifler aus der dritten Reihe im Welli hinter uns traten eine Saison später bei. Auch auf dem Eis ging es ordentlich vorwärts, sodass es den Eisbären gelang, den Meistertitel zu verteidigen. Die zweite Meisterschaft wurde nicht weniger gefeiert, als die erste, aber sie war nicht mit den gleichen Emotionen gespickt. In der darauf folgenden Saison klappte es leider nicht mit dem Titel, dafür aber wieder in den darauf folgenden Jahren. In diesem Muster ging es erstmal weiter. Der damalige Rekordmeister waren die „Adler Mannheim“ mit 5 Titeln, eigentlich unerreichbar. Die Eisbären arbeiteten sich im besagten Muster heran und holten die Titel 2005 und 2006, 2008 und 2009, 2011 und 2012 und schließlich letztmalig 2013. Der letzte Block hat´s in sich, wenn man ihn genauer betrachtet. 2011 zogen die Eisbären mit dem Rekordmeister aus Mannheim gleich, 2012 waren sie alleiniger Rekordmeister und 2013 wurde diese Führung ausgebaut. Die Eisbären, – der SC Dynamo aus dem Osten war das Maß der Dinge und ganz oben angekommen. 2008 wurde zudem noch der Eishockeypokal gewonnen und 2010 die European Trophy. Keines der ausländischen Teams hatte die Eisbären aus Berlin auf dem Schirm und als sie erkannten, was da gerade passierte, war es schon zu spät, die Eisbären hatten ein Selbstvertrauen, dass niemand sie aufhalten könne und so gewannen sie die Trophy. Schon zu DDR-Zeiten gewann der damalige SC Dynamo 15 Meisterschaften in der kleinsten Liga der Welt, denn mit dem SG Dynamo Weißwasser waren sie die einzigen 2 Mannschaften dieser Liga. Auch 5 Pokalsiege in der DDR rundeten das Repertoire ab. Was das alles mit den Fans anstellte, die teilweise und nicht gerade selten, schon seit der DDR-Zeit Anhänger der Eisbären Berlin sind, kann hier gar nicht im Detail beschrieben werden. Es war und ist eine tolle Gemeinschaft, eine treue und sehr enge Beziehungskiste zwischen der Mannschaft, dem Club und den unzähligen Fans, die es mittlerweile überall auf der Welt gibt. Vermutlich gibt es zumindest in Europa kein zweites Team, dass so berühmt ist, wie die Eisbären Berlin. Und das mit Recht! Auch unsere Vereinshymne von den Puhdys „Hey, wir wolln die Eisbären sehn“ wird ihren Anteil daran haben. Keine Party, wo dieses Lied nicht gespielt wird und jeder kennt es. Das Original gibt’s nur im Stadion, wo es hingehört! Die Eisbärliner 2005 wurden nach der 1. Meisterschaft gegründet, von da an war es Brauch, zu Pfingsten nach Döbberin in Brandenburg zu fahren, wo wir unser alljährliches Fanclubtreffen abhielten. Es wurde gezeltet, im Garten von zwei unserer Gründungsmitglieder. Die Gemeinschaft stand im Mittelpunkt. Neben vielen Aktionen wie radfahren, paddeln, Volleyball, Schwedenschach und sogar Bogenschießen hatten wir einmal, war ein Schwein am Spieß der Höhepunkt. Das Schwein bekam alljährlich einen anderen Namen, meistens mit Bezug zu einem besonders unsportlichen Gegenspieler aus der Vorsaison. Frank Hördler, ein Spieler der Eisbären und seit 2018 auch Olympiaheld, war ab und an mit seiner Familie bei unserem Camp zu Gast. Auch während der Saison kommt der Fanclub natürlich zu jedem Spiel zusammen, sowohl vor, als auch den Spielen, aber es gibt auch Aktionen fernab des Spielfeldes. So gibt es die unterschiedlichsten Turniere, in denen sich Fanclubs der Eisbären Berlin miteinander messen. Neben dem Bowling-Cup gab es auch ein Fussball-Turnier, ein Fan-Hockey-Turnier oder auch das Beach-Volleyball-Turnier. Letzteres wird von den Eisbärlinern 2005 ausgerichtet. Den Bowling-Cup und das Fussball-Turnier haben wir auch schon einmal gewonnen. Neben alldem gibt es noch viele weitere Aktionen, z.B. haben die Eisbärliner auch schon mal ein Boot beim Drachenbootrennen gestellt. Fanfreundschaften gibt es auch z.B. mit einem Fanclub des KAC aus Klagenfurt in Österreich. Sie waren zu Gast in Berlin und gemeinsam haben wir uns ein Spiel der Eisbären im Welli angesehen, natürlich nicht, ohne vor und nach dem Spiel ordentlich zu feiern. Der Gegenbesuch in Klagenfurt musste ein Jahr warten, aber er fand statt. Wir waren eingeladen zu den internationalen Hockey-Highlandgames. In Disziplinen wie Bogenschießen, Seilziehen, Hindernislaufen, Baumstammwerfen oder Sautrogrennen traten Teams aus Österreich, Slowenien und wir Berliner gegeneinander an. Gab es ein Unentschieden, wurde die Platzierung im „Hirter zuapfen“ ausgemacht. Noch nie in meinem Leben hatte ich einen 4 m langen Baumstamm geworfen, schon gar nicht die Weite des Erstplatzierten von 13,20 m, aber mit 12,40 m gab ich einen guten Zweitplatzierten ab und war wieder mal stolz wie Bolle. Die Disziplin des Sautrogrennens haben wir auch gewonnen. Das Sautrogrennen fand im benachbarten Schwimmbad statt. Zum Einsatz kamen ein Futtertrog und 2 Goaly-Kellen als Paddel. Es galt, die Distanz von 50 m im Schwimmbecken (hin und zurück) am schnellsten zurück zu legen. Nun liegt ein Futtertrog auf Grund seines flachen Bodens auch nicht so im Wasser, dass es mit einem Boot mit Kiel vergleichbar wäre. Insassen der Eisbärliner waren ein Freund und ich, wir hatten beide die gleiche Statur, dementsprechend hatten wir etwas Schieflage, aber wir gingen nicht unter und legten die Distanz in der schnellsten Zeit zurück. Mein Freund betreibt den Sport des Drachenbootrennens mittlerweile professionell, wahrscheinlich hat er Blut geleckt. Ein besonderes Highlight war natürlich auch, dass die Deutsche Nationalhymne für uns gespielt wurde. Wir zwei standen auf dem Treppchen ganz oben und es fühlte sich einfach nur großartig an. Ein für mich noch nie dagewesenes Ereignis. Am Rande sei noch bemerkt, dass die Highlandgames ihren Ursprung in Schottland haben. Daher verwundert es nicht, dass die Wettbewerbskleidung Schottenröcke sind. Auch die Freunde aus Klagenfurt haben uns in Berlin in Schottenröcken besucht. Die Röcke des „Eisbärliner-Clans“ wurden handgenäht von unserem Chef! Je Rock zwei 20-Cent-Münzen mit dem Brandenburger Tor dienen als goldene Knöpfe. Sie machen ordentlich was her und werden seitdem gerne getragen, bei besonderen Spielen, auf Auswärtsfahrten oder manchmal auch zu anderen Gelegenheiten. Immer sind wir damit ein Hingucker, wenngleich wir uns das von unseren Freunden aus Klagenfurt abgeguckt haben. Es gab auch eine Begegnung der 2 Nationalmannschaften aus Österreich und Deutschland, die in Hannover ausgetragen wurde. Gemeinsam mit den Klagenfurtern standen wir alle in Röcken bekleidet im österreichischen Gästeblock und sangen und feuerten unsere Mannschaften an. Gewonnen haben wir Deutschen, aber gefeiert haben wir trotzdem alle zusammen nach dem Spiel. Das hat großen Spaß gemacht und bleibt unvergessen.

Es liest sich jetzt schon sehr deutlich heraus, dass sich mein Leben doch sehr vielfältig und abwechslungsreich gestaltet. Ich durfte schon so vieles erleben und mitgestalten. Es passiert so vieles auf der Welt und irgendwie bin ich immer mittendrin. So soll es sein und so gefällt mir das. Schnittpunkte zwischen den Eisbärlinern und meinem Chor gibt es auch. Viele männliche Eisbärliner kommen jedes Jahr im Februar zum Eisbeinessen der Berliner Liedertafel. Es ist eine alte Tradition, die schon über 100 Jahre zurück reicht. Schon in den anfänglichen Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts trafen sich die Herren und veranstalteten einen Männerabend, wie sie damals üblich waren. Es wurde gut gegessen und getrunken und natürlich auch gesungen, auch Lieder des nicht allzu ernsten Spektrums, jedoch trotzdem nicht ohne Niveau. Auch zu unseren Adventskonzerten in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche kann ich immer wieder auch Eisbärliner begrüßen. Ich freue mich, wenn sich Anhänger meines sozialen Umfeldes miteinander verbinden und verbinden lassen. Auch zu unserer Hochzeit gab es das. Aus organisatorischen Gründen durfte vor dem Standesamt kein Reis geworfen oder eine der unzähligen traditionellen Zeremonien abgehalten werden. Also bereiteten der Chef der Eisbärliner und seine zauberhafte Frau uns einen Sektempfang in ausreichender Entfernung zum Standesamt, einfach so auf der Straße. Ein Stehtisch mit Husse, Sekt und ein tolles Hochzeitsgeschenk der Eisbärliner. Nicht nur wir waren sprachlos, es war wunderbar und mit ganz viel Herz angerichtet. Freunde für’s Leben! Auch darauf bin ich stolz und ich freue mich, wie sich manchmal alles fügt. Jetzt haben wir August, wir befinden uns in der Sommerpause, den Eisbären steht der vielleicht größte Umbruch der vergangenen Jahre bevor und so freue auch ich mich auf die neue Saison, ich freue mich darauf, meine Eisbärliner wieder öfters zu sehen und vielleicht holen wir auch wieder den einen oder anderen Sieg. Die Eisbären müssen was tun, Mannheim hat aufgeholt und mit nunmehr ebenfalls 7 Titeln zu den Eisbären aufgeschlossen und sind neben den „Brausetabletten“ aus München nicht die einzigen Konkurrenten. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt und auch wenn es nicht so gut läuft, dann denke ich wieder an die Anfänge – ihr wisst schon die Saftpäckchen im Welli. Gesungen wird immer, sowohl in der BL als auch beim Eishockey, bei Sieg und Niederlage. Ich lade herzlich ein, sich das auch mal persönlich anzusehen. Kommt vorbei und lauscht den Klängen in den Rängen und habt einfach Spaß!

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