Nun ist schon wieder über ein halbes Jahr vorbei, genau genommen sind wir in der Mitte des Sommers angekommen und es ist nicht mehr lang, bevor in Bälde der Herbst an unser Fenster klopft. Aber noch ist es nicht so weit. Gerade einmal ist die Fußball-EM im eigenen Land vorbei gegangen und auch wenn es kein Sommermärchen 2.0 geworden ist, schön fand ich sie trotzdem. Was wurde darüber debattiert, was das wieder alles kostet und auch darüber, ob wir keine anderen Sorgen im eigenen Land hätten. Ja doch, haben wir und diese Probleme binden uns jeden Tag. Sie binden uns und sie fordern uns und in unseren Köpfen sind sie allgegenwärtig. Da finde ich doch so eine Heim-EM genau richtig. Ich habe mir die Fanmeile am Brandenburger Tor und auch die Fan-Zone am Reichstag angesehen. Den ausgelegten Kunstrasen auf der Fanmeile fand ich nicht nur beeindruckend, ich fand ihn sogar richtig cool. Mit hat es gleich zwischen den Zehen gejuckt, dort barfuß entlang zu flanieren, einzig allein das Vertrauen hat mir gefehlt, nicht doch irgendwo hinein zu treten, wo ich keinesfalls hineintreten möchte. Auch das überdimensionale Fußballtor, das ohne Netz und ohne Bezug der EM gar nicht als solches zu erkennen gewesen wäre, hat mir imponiert. Immerhin wurde es gleich wenige Tage nach dem Abpfiff des Finales in Berlin für 180.000,- € in den ebay-Kleinanzeigen angeboten. Interesse soll ja Christiano Ronaldo bekundet haben, schließlich hat er hier in Deutschland kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen können. Lediglich zwei 11m-Tore waren ihm vergönnt, noch einen dritten hat er übrigens verschossen. Mit diesem Giga-Tor, made in Germany, könnte er auf privater Seite vielleicht an seiner Trefferquote feilen? Auch fantastisch, die unzähligen Fans aus den unterschiedlichsten Ländern, für die wir hier echt gute Gastgeber waren. Allen voran natürlich die Schotten, die München leer trinken wollten oder auch die Holländer, die ja längs und quer durch Deutschland tourten und in Hamburg, Leipzig, München, Berlin und Dortmund zeigten, wo sich links und rechts befinden. Mitreißende Bilder sind da entstanden – klar, dass ich da nicht fehlen durfte und mich ins Getümmel stürzte.

und einem riesigen Fußballtor


mit riesigen Monitoren
Faszinierend auch, wie andere Nationen ihre Mannschaften stützen und feiern und längst spielen nicht alle Teams auf dem Niveau der DFB-11, ja manche spielen auch besser, aber einige auch weniger anschaulich und trotzdem sind sie stolze Einwohner ihrer Länder. Befragt man Deutsche zur DFB-11 kommt wieder der Negativismus zu Tage: „Bah, nach der Vorrunde ist Schluss” oder “Viertelfinale, wenns gut läuft”. Nun gut, gemessen an diesen Aussagen, lief es wohl nicht zu gut, denn genau im Viertelfinale war gegen die Spanier Schluss. Über dieses Spiel und die Art des Ausscheidens ist schon so viel geschrieben worden, möchte ich nicht wiederholen. Vermutlich hat sich der Schiri das Handspiel deshalb nicht angesehen, weil er dann den Strafstoß hätte geben müssen, der das Spiel eventuell hätte entscheiden können. Im Bewusstsein, dass Kroos nach wenigen Minuten schon mit Rot vom Platz hätte gestellt werden müssen, was der Schiri aber ebenso unterlassen hat, wollte der Schiri das Spiel nicht zugunsten der Deutschen entscheiden. Mit dem Freistoß hätte er aber genau das getan. Wäre der Schiri also von Anfang an konsequent gewesen, wäre Kroos vom Platz gestellt worden und der Verlauf des Spiels ganz anders. Vielleicht wären wir dann schon nach 90 Minuten raus gewesen, vielleicht aber auch nicht. In Unterzahl gegen diese Spanier zu gewinnen, dafür fehlt auch mir der nötige Zweckoptimismus. Was haben wir denn unter dem Strich verloren? Was von diesem Spiel bleibt, aber nicht bleiben sollte, sind eine Menge Wut und tw. Hass gegen den spanischen Spieler Marc Cucurella und gegen den englischen Schiedsrichter Anthony Taylor. Jetzt habe ich mich doch geäußert, seis drum. Viel besser dagegen fand ich die Abschluss-PK des DFB-Nationaltrainers Julian Nagelsmann, der es genau auf den Punkt bringt. “Wenn wir immer nur in Tristess verfallen, wird niemand besser”, “Nur gemeinsam können wir etwas erreichen”, “…das wir realisieren, in was für einem schönen Land wir leben, landschaftlich, kulturell aber auch welche Möglichkeiten wir in dem Land haben, wenn wir gemeinsam auch zusammenhalten”. Was für ein Abschlussstatement?! Damit lässt sich doch wirklich versöhnlich abschließen und die DFB-11 hat in diesen 4 Wochen aus meiner Sicht auch wieder so viel mehr erreicht, als nur einen Titel.
Um Vereine, Zusammenhalt und Tradition geht es auch bei meinem nächsten Punkt, der Berliner Liedertafel 1884. Wer jetzt ganz schnell mitgerechnet hat, wird feststellen können, dass mein Berliner Chor nunmehr 140 Jahre an reichhaltiger Geschichte aufzubieten hat. 140 Jahre sind schon eine Menge Holz. 2007 hatte schon mein Kleinschmalkalder Chor, der MGV Concordia 1867 dieses ehrwürdige Vereinsalter erreicht und damals war ich mit der Berliner Liedertafel in Kleinschmalkalden zu Gast. Es waren schöne Tage, die Kleinschmalkalder Kurfesttage, denn gleich an dem Freitag hatte ich Geburtstag und als ich die Berliner im Friedrichrodaer Berghotel in Empfang nahm, da sangen mir die Chorsänger im Panoramarestaurant ein Geburtstagsständchen. Der Samstag war geprägt von einem Ausflug auf die Wartburg in Eisenach und einem Kurkonzert in der Bad Liebensteiner Wandelhalle. Abends war dann Party im Festzelt zu Kleinschmalkalden, es wurden die “Randfichten” erwartet und die waren auch tatsächlich da, nur leider mussten die Gäste der Berliner Liedertafel zu früh los, denn es galten die Lenkzeiten des Busfahrers zu beachten und wenn der Chor zum Zeltgottesdienst um 10:00 Uhr wieder in Kleinschmalkalden auf der Bühne stehen soll, dann muss für den Busfahrer 23:00 Uhr Feierabend sein. Immer is was – nie is nix, aber auch das hatten wir schon in diesem Blog, ist gar nicht so lange her. Am Sonntag durfte ich dann als Fahnenträger beim großen Festumzug das Banner der Berliner Liedertafel durch mein Heimatdorf tragen. Trotz eines defekten Fahnengurtes, der mir meine ganze Muskelkraft abverlangte und mir einen Tennisarm bescherte war ich in diesem Moment doch sehr stolz. Dieses ehrwürdige Banner der Berliner Liedertafel wurde schon auf beinahe allen Erdteilen durch die Städte getragen und da reiht sich Kleinschmalkalden doch super ein – das Zentrum der Macht, wie unser “Oberbürgermeister” immer zu sagen pflegt.


Nun also die Retourkutsche in 2024, auch die Berliner Liedertafel ist nun 140 Jahre und so ziemlich genau ein Jahr ist es her, als ein Planungskomitee die Arbeit aufnahm und sich an die Organisation der Festlichkeiten heranwagte. Große Pläne und zahlreiche Ideen hatten wir auch und große Ambitionen, nur läuft das in einer großen Millionenstadt alles nicht besser oder schlechter, aber eben ein bisschen anders ab als auf dem Dorf. Das Jubiläum der Berliner Liedertafel, eigentlich auf den 24. Juni datiert, fand jedoch am 13. Juli dieses Jahres statt und bestand aus einem großen Festkonzert und einem Festakt, auf die ich gerne etwas näher eingehen möchte. Erst einmal zum Festkonzert. Die musikalischen Aspekte lagen letztlich in der Hand unseres Chorleiters Vincent Jaufmann, der auch die musikalische Gesamtleitung innehatte. Seitens der Berliner Liedertafel wurde er unterstützt von unserer Stimmbildnerin Sigrid Höhne-Friedrich. Das Konzept sah vor, dass sich die Berliner Liedertafel fünf befreundete Männerchöre einlädt und mit diesen zusammen konzertiert. So sollten locker über 100 Männer auf der Bühne stehen. Um das ganze Konzert noch festlicher gestalten zu können, sollten zudem 5 Bläser in einem Bläserquintett des Landespolizeiorchesters Brandenburg engagiert werden. Mit Ausnahme eines Männerchores ist es dann auch so gekommen. Es waren mit dem Sonari-Chor Berlin e.V., der Cöpenicker Liedertafel 1875 e.V., dem Männerchor Cäcilia 1890 Berlin e.V. und dem Männerchor Zeuthen e.V. eben nur vier Männerchöre neben der Berliner Liedertafel 1884 e.V. Das Bläserquintett war aber auch da und so waren es letztlich nur knapp 100 Männer auf der Bühne, was dem festlichen Rahmen aber keinen Abbruch tat.

Unser Chorleiter Vincent hatte ein atemberaubendes Konzertprogramm zusammengestellt, immer wieder sangen alle 100 Männer zusammen z.B. den “Festgesang: Krönt den Tag”, “das Morgenrot” das “Bundeslied” von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch zwei Hymnen von Étienne-Nicolas Méhul (Lasst uns wie Brüder) und von Wolfgang Steffen (die wir uns gefunden), teilweise festlich begleitet vom Bläserquintett des Landespolizeiorchesters Brandenburg. Dann hatten wir noch einen Knüller im Programm – unsere choreigene BL-Band, die im Oktober 2023 ihr Debut bei uns im Nachbarschaftshaus hatte. Im letzten Jahr noch im Rahmen der Veranstaltung “Deutschland singt und klingt” haben wir mehrere Lieder aufgeführt, für Chor und Band arrangiert. U.a. auch das Lied der Toten Hosen “Tage wie diese”. Dieser großartige Song wird ja immer wieder mit emotionalen Ereignissen in Verbindung gebracht, z.B. der Aufstieg von Fortuna Düsseldorf zurück in die 1. Bundesliga (2012/13), oder der 6. Meistertitel der Eisbären Berlin (2012) und mal ehrlich, wer kennt dieses Lied denn nicht? Auch im Nachbarschaftshaus bei Deutschland singt und klingt war das ein Hit, gesungen vom Chor der Berliner Liedertafel und begleitet von der eigenen Band. Einfach nur geil. Und weil unser 140jähriges ein ebenso emotionaler Höhepunkt war, wurde dieses Lied erneut aufgeführt beim Festkonzert in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg und natürlich auch wieder mit der Band.
Über das Konzert verteilt wurden auch mehrere Auftrittsvarianten gewählt, denn die Hymne von Mehúl wurde mit 4 Chören auf der Empore und einem Chor auf der Bühne unten gesungen, begleitet von den 5 Bläsern des Quintetts. Das ganze Konzert war ein großartiges Erlebnis, sowohl für die Sänger, die gerne öfter in einer solcher Chorstärke singen möchten, als auch für das Publikum, dem die Freude der Sänger an diesem Konzert nicht entgangen sein kann. Ich denke, es hat gefallen. Nachdem dann das Konzert hinter uns lag, konnte es endlich zum Feiern in unser Vereinsheim das Nachbarschaftshaus in der Uranstraße gehen. Die Musikanlage und vielerlei Equipment musste noch abgebaut und abtransportiert werden. Vor lauter Bierdurst waren sie alle wieder ganz schnell verschwunden, andere jüngere sahen uns auch nach Aufforderung zu, wie wir alles zum Ausgang schleppten, ich wohlgemerkt noch im Konzertanzug 1, schließlich warteten ja noch weitere Verpflichtungen auf mich. Aber irgendwann war es soweit und ich stapfte die Treppe hinauf und stellte vor Begeisterung fest, dass das Werbebanner des Nachbarschaftshauses tatsächlich entfernt wurde und somit den Blick auf das vergoldete BL-Logo im Treppengeländer freigab. Seit 1924 hat die Berliner Liedertafel ihren Sitz im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße, wir sind also schon seit 100 Jahren hier zu Hause. Im festlich geschmückten Saal steht unser Bechstein-Flügel, der dem Chor 1909 geschenkt wurde und damit schon 115 Jahre alt ist. An ihm proben wir noch immer an jedem Donnerstag und er wird auch bei Auftritten und Konzerten im Nachbarschaftshaus bespielt, auch an diesem Tag beim Festakt! Noch vorher durchquere ich unser Foyer, wo eine Bar aufgebaut ist und wo ich mit einem Glas Sekt empfangen werde. Später werde ich mich natürlich für Bier und Schnäpschen dort anstellen oder auch die eine oder andere Flasche Wein. Der Saal selbst ist, wie schon geschrieben, sehr festlich ausgestattet von einem unserer Ehrenmitglieder. Ich meine Waltraud, die schon mit 3 oder 4 Jahren durch diese Räume schlich und heute (pardon) 91 Jahre alt ist. Sie und ihr Team haben Tische gestellt, Tischdecken und Tischkärtchen aufgelegt, Blumengestecke aufgestellt und auch Servietten in unseren Vereinsfarben rot und weiß gefaltet. So viel Mühe und so viel Liebe zum Detail. Unser Rednerpult ist aufgestellt, das Banner, das schon um die halbe Welt und auch durch Kleinschmalkalden getragen wurde, dient später als Kulisse für Fotos.

BL-Vereinsheim seit 1924

m Treppengeländer

zum Detail ausdekoriert
Unser Vorsitzender Klaus Lehmann eröffnet den Abend und dankt allen älteren Mitgliedern für ihre bisherigen Verdienste. Die Zukunft gehört den jüngeren Generationen, über sie wird bei den nächsten Jubiläen gesprochen. Auch Gastredner kommen zu Wort, u.a. die Vertreter unserer o.g. Gastchöre. Sie überbringen Grußworte und auch Gastgeschenke. Eine 3-Liter-Flasche Berliner Luft die sehr flüssig ist und nach Pfefferminze schmeckt, einen Zinnteller aber auch einen originalen Fächer aus Japan, der uns überbracht wird von Takao Mori, einem befreundeten Sänger vom Yokodai Mens Choir aus Yokohama. Er ist tatsächlich aus Japan angereist, um uns seine persönliche Aufwartung zu machen. Er deutet an, dass es vielleicht seine letzte große Reise ist und er hat seine Tochter Izumi Mori mitgebracht, auch um ihr das westliche Leben etwas näher zu bringen. Ich bin beeindruckt. Viele Völker reden von Ehre und Ehrerbietung, den Japanern nehme ich das noch am ehesten ab. Auch eine Abordnung meines Kleinschmalkalder Chores vom MGV Concordia 1867 war zu Gast. Mein Vater Gerhard war mit meiner Mutter Renate anwesend, wie auch mein Patenonkel Norbert und meine Patentante Margit. Mein Vater hat bei Concordia das Amt des Schatzmeisters inne und Norbert ist ein Projektmanager, er organisiert, wo es was zu organisieren gibt. Mitgebracht haben sie eine original Kleinschmalkalder Kuhglocke in der schweizer Form, hergestellt beim Venter-Glocken-Imperium im Zentrum der Macht. Jetzt freuen sich der Oberbürgermeister und auch der Herr Venter, wenn sie das hier lesen. Ich freue mich auch. Nach vielen Reden und vielen Geschenken musste jetzt auch mal was gegessen werden. Hier kommt dann jetzt unser Caterer Jeyasangar Gopalapillai vom “Catering Butterblume” ins Spiel. Er hat eine ganze Mannschaft mitgebracht, mehrere Angestellte, die mit Getränken und Fingerfood umherschwirren und ihre Köstlichkeiten verteilen. Jeyasangar, in der Kurzform einfach nur Sangar genannt, ist ein Tamile und mit seinen Speisen und Getränken versorgt er uns bei jeder Chorprobe und bei jedem unserer Feste. Was da auf den Tisch kommt, ich sage Euch!!! Da musst Du schon in ein richtig gutes Restaurant gehen, wenn Dir unsere Veranstaltungen nicht liegen. Einzig und alleine bei den Spareribs halte ich mich zurück, denn noch immer habe ich meinen kompletten Konzertanzug an, in Erwartung wichtiger Ereignisse und wenn ich anfange, Knochen abzuzutschen, dann ist auf meinem Hemd nicht mehr zu übersehen, dass es Spareribs gab, auch weil die Soße so unverschämt lecker schmeckt. Aber an all den anderen Sachen, die sich mehr oder weniger kleckerfrei essen lassen, tue ich mich gütlich.


Prinzipiell macht Sangar bei unseren Proben keine Gewinne, höchstens Überschüsse und mit denen finanziert er Schulen und Spielplätze in Sri Lanka. Wenn man so will, dann schmausen wir wöchentlich für einen guten Zweck. Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erwähnt habe. Aber während der Corona-Zeit konnten viele Chöre nicht proben, weil deren Probenorte in Schulen und Kirchen nicht frei zugänglich waren. Daran sind auch Chöre kaputt gegangen. Anders bei uns in der Berliner Liedertafel. Wir hatten immer unsere eigenen Räumlichkeiten bzw. probten wir anfangs im anhängenden Garten des Nachbarschaftshauses im Freien. Mit einem Verlängerungskabel legten wir Strom für unser E-Piano in den Garten und nach der Probe kam Sangar und servierte neben belegten Brötchen auch warmes Essen, Köstlichkeiten der Extraklasse. Woanders gingen leider Chöre kaputt und wir leben wie die Made im Speck. Das meine ich damit, wenn ich sage, wir sollten uns immer wieder bewusst machen, wie gut es uns geht und wir sollten dankbar sein und zu schätzen wissen, was wir haben. Zurück zu unserem Festakt, wo ich im Verlaufe des Abends mit unserem Vorsitzenden Klaus und unserem Schriftführer Rolf noch Ehrungen vornehmen durfte. Urkunden und Ehrennadeln werden überreicht und auch unser Chorleiter bittet um Aufstellung. So kommt es, dass auch mein Vater und Norbert und alle anderen Gäste mal mit der Berliner Liedertafel zusammen gesungen haben. Wir haben “Aus der Traube in die Tonne” gesungen und auch den Wahlspruch der Berliner Liedertafel “Fest und klar – treu und wahr!”. Beeindruckend war auch, dass mit Jörg-Uwe Zander und Astrid-Heike Kuntze die Urenkel unseres Chorgründers Adolf Zanders anwesend waren. Geschichtsträchtige Momente. Weit nach Mitternacht ging schließlich auch dieser Tag zu Ende und das Beste kam zum Schluss. Raus aus den Klamotten und rein in die Dusche! Selten habe ich diesen Moment schöner erleben dürfen. Einerseits hatten wir natürlich gutes Wetter, wie gewünscht. Besser als Regen und nass und grau und schon gar nicht schwüles Wetter. Andererseits habe ich auch gehofft, dass an diesem Tag bitte keine 30°C im Schatten vorherrschen mögen. Gut, dann hätte ich den Schatten eben gemieden. Hahaha.

Eiskalt und doch ganz schön heiß her ging es im Frühjahr auf den Eisflächen der DEL. Schon im Viertelfinale erhitzten sich die Gemüter, trafen doch die Eisbären schon dort auf ihren Erzrivalen, aber auch zugleich den Lieblingsgegner die Adler Mannheim. Frotzeleien stehen auf der Tagesordnung, auf und neben dem Eis. Es gab mal eine Zeit, in der die Adler als der Ligaprimus galten, weil sie der Rekordmeister der DEL waren. Im Laufe der Jahre haben die Eisbären Berlin den Adlern jedoch den Rang abgelaufen und auch die vielleicht schönste Meisterschaft gelang gegen die Adler Mannheim im Jahr 2012. Nach 3 Spielen der Finalserie best-of-five führten die Adler mit 2:1 Siegen und hatten auch in Spiel 4 die Nase vorn beim Stand von 5:2. Nicht mehr viele Minuten bis zum 3. Sieg der Adler, der sie von deren nächsten Titel trennte. Sektflaschen wurden geöffnet und auch schon Titel-Merchandise wurde für eine zügige Verteilung bereit gestellt. Auf der Eisbärenseite frustrierte Gesichter bei den Fans. Was auf der Spielerbank der Eisbären abgegangen ist, lässt sich schwer nachvollziehen. Sagen wir mal so: Beim Stand von 5:2 ging ich pinkeln im Glauben, die Messe sei gelesen. Als ich wieder kam, stand es 5:5 und ich durfte das Siegtor der Eisbären in der Overtime miterleben. Ausrasten und Bierduschen inclusive. Spiel 5 erzwungen, ein Heimspiel in der o2-World in Berlin. Dieses wurde gewonnen und führte zum 6. Titel der Eisbären Berlin. Freud und Leid liegen nah beieinander. Die Adler hatten schon die Sektflaschen auf und wie viel von dem Meister-Merch vernichtet werden musste, wird wohl nie jemand erfahren. Dieser Stachel sitzt ganz tief und manche Wunden heilen einfach nicht. Wieder kein Titel, wieder gegen die Eisbären verloren und dann auch noch so – Autsch! Nun also wieder ein Zusammentreffen im Viertelfinale der PlayOffs 2024, alle Spiele werden in Serien best-of-seven ausgetragen, was 4 Siege notwendig macht. Die Eisbären frühstücken die Adler mit 4:1 Siegen weg. Weiter geht´s im Halbfinale. Dort warten mit den Straubing Tigers die nächsten schweren Brocken auf uns. Straubing(en) ist nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall unangenehmer. Gegen sie zu spielen, ist immer unbequem, mit Schmerzen verbunden und auch für den Fan nicht immer ansehnlich. So eine schöne Geschichte wie gegen die Adler fällt mir hier nicht ein, gibt es auch gar nicht. Was mir einfällt, ist unsere erstes Auswärtsspiel gegen die Miezekatzen, auch schon wieder Jahre her. Per Sonderzug ging es in den Süden der Republik und auch schon die Anreise zog sich ewig hin. Wenn da so eine riesige Horde in einer bayrischen Kleinstadt einfällt, dann ist da was los. Klar war die Halle nach wenigen Spielminuten in Berliner Hand und auch der Sieg. Die Heimreise zog sich dann noch länger, aber wir hatten ja den Samba-Wagen und 3 Punkte. In der Halbfinalserie der PlayOffs 2024 gingen die Eisbären erneut mit 4:1 Siegen aus der Serie hervor, das sieht jetzt leichter aus, als es war. Ich hatte viele aufregende Momente. Letztlich im Finale kamen dann die Fishtown Pinguins aus Bremerhaven. Galten bisher die Adler Mannheim, RedBull München und die Eisbären Berlin zu den großen Titelanwärtern, die Pinguine haben sie alle nass gemacht in der regulären Saison. Sie haben gezeigt, wo der Hammer hängt und wo der Barthel den Most holt. Aber wie das so ist, wenn Du Meister werden willst, musst Du alle schlagen können und auch die härtesten Viecher vom Südpol. Lange war es ein Duell der Goalies, die beide auf einem unglaublich hohem Niveau die Tore sauber hielten. Da es beim Eishockey aber keine „unentschiedene“ Spielstände gibt, geht es auch mal in die Verlängerung und dort siegt das erste Tor, wer auch immer es erzielt. Quasi Golden-Goal. Schon im Halbfinale gegen die Straubing Tigers wurden ordentlich Fingernägel gekaut und jetzt erst recht in der Finalserie gegen die Fishtown Pinguins. Letztlich ging auch diese Serie 4:1 aus. Das erste Spiel gewannen die Pinguine und irgendwie feierten sie diesen 1. Sieg im 1. Spiel schon wie den Meistertitel, etwas lachhaft, wie ich finde, aber am Ende haben wieder die Eisbären feiern können und eine schöne und gute Saison war es. Nun steht die nächste Saison schon wieder vor der Tür und auch für die Champions-Hockey-League sind die Eisbären qualifiziert. Große Gegner kommen da. Ich habe mich gut eingedeckt mit der Dauerkarte für die Heimspiele in der CHL, die zu meiner Freude im guten und altehrwürdigen Wellblechpallast stattfinden, und auch für die reguläre DEL-Saison habe ich mir mit dem Freitags-Abo eine Mini-Dauerkarte für die Freitagsspiele im Kalenderjahr 2024 besorgt. Das wird also wieder ein heißer Herbst.

Mein letzter Punkt für heute sind die Unioner und Unionerinnen. Ungleicher hätten die 2 Saisonverläufe nicht sein können, die der Herren und die der Damen. Nach der unglaublichen Qualifikation der Herren für die Champions League folgten zunächst ein guter Start in die Saison 2023 / 2024, am 2. Spieltag grüßte Union gar von der Tabellenspitze. Auch das erste Spiel in der Champions League war auswärts im Estadio Santiago Bernabéu gegen Real Madrid. Was für ein Kracher und die Atmosphäre beim Public Viewing in der Sportkneipe „FC Magnet“ war kaum noch greifbar. Unfassbar auch der schmerzliche Ausgang, als Madrids Siegtreffer nach einem spektakulär gehaltenem 0:0 erst nach 94 Minuten, dann aber leider doch noch fiel. Dieses Spiel war so supergut, dass nie jemand auf die Idee gekommen wäre, dass Union in den folgenden Monaten gegen den Abstieg spielen würde. Uns allen war klar, dass auch die Serie der ungeschlagenen Heimspiele irgendwann einmal reißen würde, beim 25. Spiel war es soweit und wieder die doofen Brause-Bullen von RestMüll Leipzig, doppelt ärgerlich. Diese Niederlage war der Anfang von einer neuen und wesentlich schmerzlicheren Serie, die nach 14 Niederlagen leider auch zum Abschied von Urs Fischer führte. Mit Nenad Bjelica kam ein neues Gesicht an die Alte Försterei und wenngleich er nicht der sympathische Typus a la Urs Fischer war, so führte er uns erstmal aus der Abstiegszone bis hin zu 9 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Spoiler: Auch dieser Vorsprung wurde wieder verspielt, sodass es am Ende doch noch einmal knapp wurde und der Klassenerhalt auch tatsächlich erst am letzten Spieltag sicher war. Ursachenforschung wurde natürlich auch betrieben und die mir plausibelste Erklärung habe ich im Union-Kosmos selbst gelesen. Urs Fischer hat immer auf Spieler gesetzt, die er besser machen konnte. Das letzte Prozentchen noch herauskitzeln, das konnte er. Mit der Qualifikation zur Champions League wurden dann auch „Stars“ engagiert, Spieler wie z.B. Leonardo Bonucci, oder Robin Gosens, letzterer hielt auch nach den Niederlagen sein Gesicht in die Kamera und beschwor, dass die Tür zur DFB-11 noch nicht zu sei. Ich dachte mir die ganze Zeit, dass er Tore schießen müsse, wenn er sich zurück in den Kader der DFB-11 kämpfen will, eine klassische Win-Win-Situation und allen wäre geholfen. Jedoch praktisch passierte nichts in dieser Richtung. Und wenn auch ein Urs Fischer diese „Stars“ nicht mehr besser machen kann, weil sie schon glauben, perfekt zu sein, dann hast Du eben auch solche Ergebnisse. Ganz so einfach wird es am Ende nicht gewesen sein, es spielten sicherlich noch viele weitere Aspekte da mit hinein, aber ganz unrealistisch schien mir diese Analyse auch nicht. Nun liegt diese Horrorsaison endlich hinter uns und wir stellen die Räder auf Anfang. Die EM ist vorbei und das Transferfenster noch offen. Bonucci ist schon seit dem Winter weg, an Gosen besteht vielerorts Interesse, wie auch an einigen anderen Spielern, die Union gutes Geld bringen könnten. Der Kader sollte noch verschlankt werden und hier und da müssen noch ein paar Akzente gesetzt werden. Ich bin da zuversichtlich, dass der nun wiederum neue Trainer Bo Svensson und der ebenfalls neue Geschäftsführer Sport Horst Heldt die richtigen Stellschrauben drehen werden und einen guten und motivierten Kader zusammenstellen, mit dem wir gut durch die neue Saison 2024/25 kommen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden. Anders bei den Mädels. Die sind ja fulminant durch die Saison gerauscht und haben keines ihrer Pflichtspiele in der Saison 2023/24 verloren. Nach sieben Jahren geht es nun zurück in die 2. Bundesliga. Das Ziel ist klar definiert, der Durchmarsch in die 1. Bundesliga. Die Voraussetzungen dafür wurden geschaffen. Union hat seine Profi-Abteilungen bei den Damen und Herren synchron geschaltet, was zur Folge hat, dass die Unionerinnen jetzt den Profisport hauptberuflich ausüben, was ganz andere Trainingsmöglichkeiten aufbietet, nicht zuletzt auch mit dem jüngst eröffneten Trainingszentrum Oberspree. Auch sollen alle Heimspiele der Mädels im Stadion an der alten Försterei ausgetragen werden. Im Wechsel mit den Männern wird es nun an beinahe jedem Wochenende ein Profispiel dort geben. Der Aufstieg der Damen ermöglichte übrigens auch den Aufstieg der Unionerinnen U23 aus der Berlin-Liga in die Regionalliga Nordost. Also auch im Damennachwuchs läuft es perfekt.
Was jetzt noch bleibt…
Das war es jetzt für diesen Blog-Beitrag, der trotz aller Dinge, über die ich eigentlich auch noch berichten wollte, wieder viel zu lang geworden ist. Ich wollte noch berichten, dass ich bei einem Live-Gig der verbliebenen Mitglieder von Ton-Steine-Scherben war im Studio14 des RBB-Towers in der Masurenallee. Es gibt ja einen großartigen Podcast über die Scherben in der ARD-Audiothek, den ich sehr interessant fand. Er lautet „Musik ist eine Waffe“ und alle Folgen zum Nachhören gibt es hier! Die letzten beiden Folgen (Der Talk) wurden im Studio14 aufgenommen und ich durfte dabei sein. Sehr cool, die verbliebenen Mitglieder der Scherben live zu sehen, sie haben auch Lieder gespielt, gesungen hat Birte Volta, die es beeindruckend schafft, Rio Reisers Part zu übernehmen. Auch sonst war ich auf vielen Konzerten, die allesamt beeindruckend waren. Ich war im Lido, im Columbia Theater, in der Columbia Halle, im Festsaal Kreuzberg, aber auch in der Waldbühne. All diese Konzerte zu beschreiben, würde wesentlich den Rahmen sprengen und vielleicht ist das ja auch Stoff für einen der folgenden Blog-Beiträge?

Ich habe jetzt erstmal noch ein paar Tage zu arbeiten und dann ist auch für mich Sommerpause. Mich zieht es dann wieder nach Kleinschmalkalden in Thüringen. Dort ist vom 9. bis 11. August wieder Kirmes, auf die ich mich sehr freue. Auch runde Geburtstage stehen an und es gibt ein wunderschönes Waldschwimmbad. Zu arbeiten gibt es auch einiges, so muss u.a. die Terrasse ausgebessert werden. Wie ich schon sagte: Immer is was, nie is nix…Vielleicht sehen wir uns ja trotzdem in Kleinschmalkalden auf der Kirmes? Oder hier in Berlin beim Eishockey, beim Fußball oder auch bei dem einen oder anderen Konzert oder einfach nur so. Wie auch immer, ich freue mich darauf.


Bis dahin habt einen schönen Sommer und bleibt gesund & fröhlich!
Euer Fünkes…


